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Das lachende Team im Besprechungsraum: Warum ich Mittelständlern ab heute Stockfotos verbiete

Bastian Birk
Das lachende Team im Besprechungsraum: Warum ich Mittelständlern ab heute Stockfotos verbiete

Es gibt dieses eine Bild. Sie kennen es, ich kenne es, Ihre Kunden kennen es: vier bis sechs übertrieben gut gelaunte Menschen in Business-Casual, versammelt um einen Laptop in einem Besprechungsraum, der aussieht wie aus dem IKEA-Katalog von 2014. Jemand lacht schallend, als hätte gerade jemand den besten Witz der Unternehmensgeschichte erzählt. Das Bild kostet 29 Euro bei einer beliebigen Bildagentur – und es steht dort, wo eigentlich Ihr Unternehmen stehen sollte.

Ich nenne das Bildvergessenheit. Und ich bin es leid, sie stillschweigend hinzunehmen.

Was ein Stockfoto über Sie aussagt

Wenn ein Maschinenbauer aus Oberbayern, eine Traditionsbäckerei oder eine Kanzlei mit 40 Mitarbeitenden Stockfotos auf ihrer Website einsetzt, dann sagen die nicht aus: Wir sparen. Sie sagen aus: Wir halten uns selbst nicht für fotografierenswert. Und das ist eine problematische Botschaft von Leuten, die sonst jede Schraube, jedes Backrezept und jedes Urteil als Meisterwerk feiern.

Das Verrückte ist doch: Derselbe Mittelständler, der sein Werkstatt-Tor nicht ohne eigenen Blick fotografiert haben will, zeigt auf der Über-uns-Seite drei Menschen, die nirgendwo arbeiten. Kein Werkzeug, kein Mehlstaub, keine Akten. Nur diese grinsende Ausdruckslosigkeit vor dem Glaswando. Kunden riechen das. Sie wissen genau, was echt aussieht und was gekauft wurde.

Drei Münchner Fälle, ein Muster

Fall eins: Ein Familienbetrieb aus Giesing, Metallbau, seit 70 Jahren am Markt. Die alte Website voller lizenzierter Handwerker-Hände. Nach einem Relaunch mit echten Fotos – der Chef an der Abkantpresse, die Crew in der Werkshalle, kein einziges gestelltes Lächeln – stieg die Anfragequote spürbar. Nicht weil die Bilder besser belichtet waren, sondern weil plötzlich Vertrauen sichtbar wurde.

Fall zwei: Eine Steuerkanzlei in Schwabing. Ihr Argument gegen eigene Fotos: "Wir sehen alle nicht gut aus." Wir haben stattdessen die Räume fotografiert, die Arbeitsweise, Details – Kaffee, Akten, Fensterbank. Kein einziges Porträt nötig. Die Website wirkt seitdem wie die Kanzlei, nicht wie eine Vorlage.

Fall drei, das Gegenbeispiel: Ein Startup aus Werksviertel, Budget da, Berater dran, Ergebnis: wieder das lachende Team. Nur diesmal in edlerem Grauton. Austauschbar ist austauschbar – auch mit Farbkorrektur.

Was eigene Fotografie tatsächlich bringt

Ich will hier nichts hochreden. Corporate-Fotografie kostet Geld – meist irgendwo zwischen einem mittleren und einem gehobenen vierstelligen Betrag, je nach Umfang. Dafür bekommen Sie aber:

Das Argumentationspapier fürs Kundengespräch

Für alle Kolleginnen und Kollegen, die vor dem nächsten Termin sitzen: Hier meine drei Sätze, die bisher immer funktioniert haben.

  1. Die Spiegel-Frage: "Würden Sie in Ihrem Angebot an Kunden auch Komponenten verbauen, die jeder andere auch hat – und das noch zugeben?" Genau das macht ein Stockfoto: Es gibt sich selbst als gekauft zu erkennen.

  2. Die Rechnung umdrehen: "Was kostet es Sie, wenn ein Interessent nach zweiminütiger Recherche nicht mehr weiß, wie Ihr Betrieb aussieht?" Bildvergessenheit hat einen Preis, er steht nur nicht auf der Rechnung.

  3. Der Einstieg ohne Porträtangst: "Wir fangen mit den Räumen und der Arbeit an. Sie müssen vor gar keine Kamera." Das nimmt die größte Hürde – und nach zwei Stunden Werkstattfotografie will ohnehin jeder mal vors Objektiv.

Und falls es trotz allem nicht klappt: Dann hat der Kunde vielleicht recht, und sein Budget gehört woanders hin. Aber dann wenigstens mit klarem Gewissen – und nicht mit dem lachenden Team aus der Bildagentur.

Schlusswort

Ich verbiete nichts wirklich, klar. Aber ich weigere mich weiter, mitzuschweigen, wenn Unternehmen mit Substanz sich selbst mit Bildern aus der Retorte unsichtbar machen. Der bayerische Mittelstand hat genug Ecken, Kanten und Charakter für tausend gute Fotografien. Es muss nur jemand die Kamera darauf richten.

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