Der Name an der Wand: Wie aus einem Fotoforum-Account eine Marke wurde
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Es gibt diesen Moment, an den ich mich noch genau erinnere: Ein Kundentermin in einer Agentur nahe dem Gärtnerplatz, ich reiche die Hand und sage meinen Namen. Der Creative Director nickt, blättert in seinen Unterlagen und murmelt: „Ah, Sie sind der mit den Bildern von ‚birky.photography'.“ Birky. Zehn Jahre lang hatte ich unter diesem Foren-Nicknamen aus meiner Studienzeit gearbeitet – und plötzlich stand ich da wie ein Friseursalon ohne Schild.
Die anonyme Phase: bequem, aber teuer
Anfangs war der Spitzname pragmatisch. Ich wollte gar keine Marke sein, ich wollte einfach fotografieren. Bilder hochladen, Feedback bekommen, fertig. Das Problem: Bequemlichkeit hat einen Preis. Als ich 2015 ernsthaft in den Auftragsmarkt eingestiegen bin, hatte ich parallel drei Identitäten laufen – den Nicknamen für Online, meinen bürgerlichen Namen für Rechnungen und eine halbherzige Facebook-Seite mit beiden gemischt. Wer mich suchte, fand alles Mögliche. Nur kein klares Bild.
In München, wo sich an jeder Ecke ein Fotograf mit Kamera in der Hand die Hand reibt, ist Verwirrung tödlich. Hier gibt es schätzungsweise mehrere Tausend gewerblich tätige Fotograf:innen – von der Hochzeitsreportage bis zum Industriegigapixel. Wer sich nicht eindeutig zuordnen lässt, wird nicht gefunden. Oder schlimmer: gefunden, aber nicht gebucht.
Der Nachname als Statement
Die Wende kam, wie so oft, über einen Umweg. Ein langjähriger Kunde bat mich um eine Empfehlung für einen Kollegen – und ich merkte, dass ich ihm gar nicht erklären konnte, wonach er suchen sollte. An diesem Abend habe ich die Domain bastianbirk.com registriert. Kein Wortspiel, kein „Fotografie & Design München“ im Titel, einfach der Name. Meine erste Reaktion war Bauchweh: Fühlt sich das nicht anmaßend an? Bin ich nicht nur ein Nebenerwerbler mit gutem Auge?
Die Antwort hat mir ein befreundeter Grafiker gegeben, den ich um Rat fragte. Er sagte sinngemäß: „Dein Name ist das einzige Branding-Element, das dir niemand wegnehmen kann. Kein Trend, kein Redesign, keine Branche macht ihn wertlos.“ Das hat gesessen. Vor allem in einem Markt, in dem sich alle über dieselben gestalterischen Stilmittel definieren – moody, warm, editorial – ist der Eigenname das ehrlichste Signal: Hier steht ein Mensch dahinter, mit Ecken und Kanten.
Was eine Markenwebsite verträgt – und was nicht
Beim Aufbau der Seite habe ich dann gelernt, wie viel Persönlichkeit gut ist und wann es kippt. Meine erste Version war eine Katastrophe im Gegenteil: Ich habe sie mit Tagebucheinträgen, Witterungsberichten und einer „Über mich“-Seite vollgestopft, die mehr über meinen Hund erzählte als über meine Arbeit. Kunden, die ein Corporate-Shooting suchen, wollen keinen Seelenstriptease – sie wollen Gewissheit, dass ich ihr Projekt verstehe.
Die Balance, die für mich funktioniert, sieht ungefähr so aus:
- Arbeiten zuerst. Die ersten drei Klicks zeigen ausschließlich Bilder. Wer nicht überzeugt wird, braucht keinen Text.
- Persönlichkeit in der Stimme, nicht im Volumen. Ein, zwei Sätze mit Haltung pro Seite reichen. Mein Tonfall ist locker, aber nie albern.
- Der Name als Rahmen. Logo, Footer, Mail-Signatur – überall derselbe Nachname, dieselbe Typo. Wiederholung schafft Vertrauen, auch wenn sie sich für mich selbst monoton anfühlt.
- Ein erkennbares Detail. Bei mir ist es die Kombination aus Fotografie und Design-Arbeiten. Das irritiert anfangs manche, aber genau diese Doppelrolle ist mein Unterscheidungsmerkmal im Münchener Markt.
Fehler, die ich gemacht habe
Damit das hier keine Erfolgsstory mit rosafarbenem Filter wird: Ich habe 2017 fast 2.000 Euro in ein Branding-Paket investiert – inklusive fancy Bildmarke, die niemand verstanden hat. Ich habe drei Monate lang an einem Schriftzug gefeilt, den nach dem Relaunch keiner vermisst hat. Und ich habe die Marke so lange „perfektioniert“, dass die Website ein halbes Jahr offline blieb. Jeder dieser Fehler war lehrreich, aber vermeidbar.
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Eine Marke ist kein Projekt, das man abschließt, sondern ein Versprechen, das man täglich einlöst. Der beste Zeitpunkt für einen klaren Namen war bei mir vor zehn Jahren gewesen. Der zweitbeste Zeitpunkt ist heute – für jeden, der gerade mit demselben Spitznamen rumläuft wie ich damals.
Heute, wenn mich jemand in einem Café anspricht und „Bastian Birk“ sagt, denke ich kurz an jenen Creative Director mit seinen Unterlagen. Manchmal braucht es einen komischen Moment, um zu verstehen, wer man eigentlich ist. Und dass man das ruhig auch an die Wand schreiben darf.