Zahlen auf den Tisch: Warum meine Preise jetzt auf der Website stehen – und wer damit nicht klarkommt
Photo: Kenneth Allen , CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Es gibt Sätze, die habe ich in den letzten Jahren zu oft getippt: „Gerne send ich Ihnen ein individuelles Angebot.“ Klingt höflich, ist aber vor allem eines – ein Ausweichmanöver. Denn in Wahrheit wusste ich nach zwei Sätzen einer Anfrage meist schon, ob daraus ein Auftrag wird oder nicht. Und der Interessent wusste es oft auch. Nur gesagt hat es keiner.
Seit 2026 macht meine Website das anders. Auf bastianbirk.com stehen drei Pakete mit konkreten Preisen, ein Disclaimer, der nicht nur juristisch sauber ist, sondern auch menschlich ehrlich, und ein Fragebogen, der vor dem ersten Telefonat liegt. Nicht, weil ich plötzlich ein Fan von Standardisierung bin. Sondern weil ich keine Lust mehr auf das Theater hatte.
Drei Pakete, aber keine Schublade
Die Pakete heißen nicht „Basic, Business, Premium“. Das wäre gelogen. Sie heißen nach dem, was sie leisten: „Portrait kompakt“, „Marke im Bild“ und „Reportage-Tag“. Das erste ist ein halber Tag im Studio oder draußen, eine Location, zehn fertige Bilder. Das zweite ist ein Design- und Fototag für kleine Unternehmen, inklusive Bildsprache und ein paar Layouts. Das dritte ist der Klassiker: ein Tag, eine Geschichte, viele Bilder.
Das klingt nach Korsett. Ist es aber nicht. Die Pakete sind Startpunkte, keine Gefängnisse. Wer mehr braucht, bekommt ein Angebot. Wer weniger braucht, bekommt eine ehrliche Absage. Was weg ist: das monatelange Hin und Her, bei dem beide Seiten so tun, als könnte man den Preis erst nach dem dritten Gespräch nennen. Ich habe gemerkt: Der Preis ist oft das Letzte, worüber gesprochen wird – und das Erste, worüber nachgedacht wird.
Der Disclaimer, der keiner ist
Auf der Preisseite steht ein Absatz, der mit „Bitte beachten“ beginnt. Darin steht, dass die Preise für Standardumfänge gelten, dass Reisekosten außerhalb Münchens extra berechnet werden und dass eine Anzahlung von 30 Prozent den Termin reserviert. Kein Kleingedrucktes, keine versteckten Klauseln. Einfach die Dinge, die ich früher erst im Angebot geschrieben habe – und mich dann geärgert habe, wenn sie überraschten.
Der ehrlichste Satz in diesem Disclaimer lautet: „Wenn Ihr Projekt nicht in eines dieser Pakete passt, ist das kein Problem – aber es wird ein individuelles Angebot.“ Das ist keine Floskel. Es ist die Einladung, trotzdem anzufragen. Ich habe gemerkt, dass genau dieser Satz die unangenehmen Anfragen reduziert. Wer nur den billigsten Preis sucht, liest ihn und geht. Wer ein echtes Anliegen hat, ruft an.
Fünf Fragen statt zwanzig Mails
Vor dem ersten Gespräch gibt es einen kurzen Fragebogen. Fünf Fragen, mehr nicht: Worum geht es? Für wen? Wann? Wo? Und was soll am Ende dabei herauskommen? Das dauert zwei Minuten. Früher habe ich diese Informationen in drei E-Mails und einem Telefonat erfragt. Heute weiß ich nach zwei Minuten, ob ich der Richtige bin.
Der Fragebogen hat noch einen Nebeneffekt: Er sortiert die aus, die eigentlich nur mal schauen wollten. Das klingt hart, ist aber fair. Denn auch meine Zeit ist eine Währung. Und wer nicht bereit ist, fünf Fragen zu beantworten, wird später auch nicht bereit sein, ein Briefing zu schreiben.
Die Reaktionen, die wehtun
Nicht alle finden das gut. Ein Stammkunde aus der Werbebranche hat mir geschrieben: „Seit wann bist du denn so unflexibel?“ Ein anderer hat angerufen und gefragt, ob ich „jetzt wie eine Behörde“ arbeiten würde. Ich habe geantwortet: Nein, aber wie jemand, der weiß, was er tut. Das hat er akzeptiert. Andere nicht.
Eine Anfrage aus dem Umland kam mit dem Satz: „Wir haben mit einem Preis von 800 Euro gerechnet.“ Im Paket hätte der Tag 1.400 Euro gekostet. Ich habe nicht verhandelt. Ich habe erklärt, was drin ist. Die Antwort war Schweigen. Das ist okay. Früher hätte ich mich geärgert. Heute denke ich: Gut, dass wir das vor dem Shooting geklärt haben.
Unangenehm ist auch der Vergleich mit dem „Cousin, der auch fotografiert“. Den gibt es immer. Aber ich habe gelernt: Wer diesen Vergleich bringt, sucht keinen Fotografen, sondern eine Bestätigung, dass alles zu teuer ist. Mit denen möchte ich nicht arbeiten. Das ist keine Arroganz, sondern Selbstschutz.
Was die Preise mit München zu tun haben
München ist kein billiges Pflaster. Das Atelier in Sendling, die Versicherung, die Kameras, die Software, die Zeit für Akquise – das alles kostet. Ich habe 2024 und 2025 oft genug draufgezahlt, weil ich „sympathisch“ bleiben wollte. Das war keine gute Idee. Seit die Preise auf der Website stehen, kommen die Anfragen anders. Kürzer, klarer, ehrlicher. Und ja: Es kommen weniger. Aber die, die kommen, passen besser.
Das ist kein Marketing-Trick. Es ist eine Entscheidung. Ich zeige lieber Zahlen und riskiere eine Absage, als mich hinter „auf Anfrage“ zu verstecken und dann im Telefonat zu erklären, warum ich teurer bin als der Kollege mit dem Homeoffice in Poing. Transparenz ist unbequem. Aber sie ist auch der einzige Weg, morgens ohne Magengrummeln in den Kalender zu schauen.
Was ich 2027 anders machen würde
Vielleicht nicht die Pakete. Aber den Ton. Der Disclaimer ist noch zu vorsichtig formuliert, und der Fragebogen hat eine Frage zu viel. Ich lerne noch. Das gehört dazu, wenn man als Fotograf und Designer in München nicht nur schöne Bilder machen, sondern auch ein Geschäft führen will.
Wer also auf meiner Website plötzlich Preise sieht: Das ist kein Versehen. Das ist Absicht. Und wer damit nicht klarkommt, ist wahrscheinlich nicht der richtige Kunde. Das ist okay. Ich muss nicht allen gefallen. Ich muss nur ehrlich bleiben.