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24 Stunden, 8 Locations: Mein privater München-Reset mit der Kamera

Bastian Birk
24 Stunden, 8 Locations: Mein privater München-Reset mit der Kamera

Photo: Flocci Nivis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Es gibt dieses Phänomen, das ich bei mir selbst und bei vielen Kollegen beobachte: Wer als Fotograf in München lebt, fotografiert überall – nur nicht in München. Die eigenen Spots liegen in den Alpen, in Venedig, in irgendwelchen namenlosen Nebenstraßen in Lissabon. Die eigene Stadt? Kennt man ja. Falsch gedacht.

Vor ein paar Wochen habe ich mir einen freien Tag genommen, die Kamera eingepackt und München von Sonnenaufgang bis Mitternacht durchquert. Was als spontane Idee begann, wurde zu einer kleinen Entdeckungsreise – und zu der Erkenntnis, dass man seine eigene Stadt erst wiedersehen lernen muss.

5:40 Uhr – Olympiaberg: Der beste Startschuss der Stadt

Wenn ihr mich fragt, wo man München fotografisch am schönsten erwacht: Olympiaberg. Die Wiese ist um diese Zeit fast menschenleer, nur ein paar Frühsportler, ein Hundebesitzer, ich. Der Olympiaturm taucht aus dem Dunst auf, und die Dächer der Stadt liegen unten wie eine graue, ruhige Fläche.

Das Licht ist weich und kühl, ideal für weite Landschaftsaufnahmen mit Teleobjektiv. Ich arbeite hier meist mit 70–200 mm und komprimiere die Skyline gegen den Hügel. Wer eine Stativplatte dabei hat, kann sich an Zeitraffer-Versuchen wagen – die Wolken ziehen im Herbst spektakulär.

8:00 Uhr – Englischer Garten: Nebel, Surfer, Stille

Von dort ging es mit dem Rad Richtung Eisbach. Die berühmten Wellenreiter am Eisbachwell sind um acht noch in kleiner Zahl unterwegs, und das Morgenlicht fällt tief durch die Bäume. Nebelschwaden über der Wiese gibt es vor allem im Herbst – ein Geschenk für jeden, der Stimmungsbilder liebt.

Mein Tipp: Nicht nur die Surfer fotografieren, sondern den Kontrast – mitten in einer Großstadt, umgeben von Bäumen, eine Welle. Solche Bildideen braucht man nicht in Island zu suchen.

11:00 Uhr – Westend & Bahnareal: Die ruhige Mitte

Die Mittagszeit ist fotografisch meist die undankbarste. Hohes, hartes Licht, lange Schatten unterm eigenen Körper. Genau deshalb bin ich bewusst in die ruhigeren Viertel abgebogen: das Westend, die Seitenstraßen rund um die Bahn. Hier erzählt München eine andere Geschichte – abgewitterte Fassaden, alte Läden, Wäsche in Hinterhöfen.

Für solche Motive reicht die Kamera im Hosentaschenformat. Wichtig ist nur, dass man sich Zeit lässt und nicht auf das perfekte Bild wartet, sondern auf das ehrliche.

15:00 Uhr – Museumsinsel & Isar: Licht auf dem Wasser

Nach dem Nachmittagskaffee hat mich die Isar zurück. Die Museumsinsel und die Wehrsteg-Abhänge bieten in den Nachmittagsstunden, was die Altstadt um diese Zeit nicht kann: Reflexionen, Bewegung, Tiefe. Bei leichtem Gegenlicht und einer kurzen Verschlusszeit friert das Wasser ein; bei langer Zeit wird es zu einem weichen Band.

Ein Polarisationsfilter ist hier Gold wert – er nimmt die Reflexe von der Wasseroberfläche und lässt die Farben der Kiesel sichtbar werden.

18:30 Uhr – Die blaue Stunde über der Altstadt

Jetzt wird es spannend. Die blaue Stunde ist in München kurz, aber intensiv. Mein Spot: der Rathausturm bzw. der Blick vom Alten Peter Richtung Marienplatz. Die Kuppeln und Türme der Altstadt leuchten warm, der Himmel kühlt ab zu einem tiefen Blau – dieses Zusammenspiel gibt es nur für etwa 20 Minuten.

Technisch heißt das: Stativ, ISO so niedrig wie möglich, Blende um f/8. Und Geduld. Die Menschenströme auf dem Platz sind Teil des Bildes, nicht Störung – wer mit 1/8 Sekunde belichtet, bekommt genau die richtige Mischung aus Schärfe und Bewegung.

22:00 Uhr – Nachtslicht und Restlicht: Altstadt ohne Publikum

Der Abschluss gehört der leeren Altstadt. Nach zehn Uhr werden die Gassen rund um Sendlinger Tor und Viktualienmarkt ruhig. Die Laternen machen aus gewöhnlichen Straßenzügen kleine Bühnen. Ohne Stativ bin ich auf offene Blende und hohe ISO angewiesen – aber moderne Sensoren verzeihen das problemlos.

Das Schönste an dieser Tageszeit: München gehört einem allein. Keine Touristengruppen, kein Verkehr. Nur die Stadt und die Kamera.

Was der Tag mir gezeigt hat

Zwei Dinge habe ich mitgenommen. Erstens: München ist fotografisch unglaublich vielfältig – man muss nur die Uhrzeit zum Motiv passend wählen. Morgens gehören die Weiten, mittags die Details, abends die Skyline. Zweitens: Die größte Hürde ist nicht das Licht, sondern die eigene Gewohnheit. Wir sehen unsere Umgebung nicht mehr, weil wir glauben, sie zu kennen.

Mein Vorschlag an euch: Holt euch einen freien Tag, plant nichts – und geht los. Am besten bei dem Wetter, das man normalerweise vermeiden würde. Genau da entstehen die Bilder, die man sonst nur auf Reisen macht.

Und falls ihr das mal nachstellt: Schreibt mir gern, welche Spots ich vergessen habe. München ist groß genug für alle unsere Blickwinkel.

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